Der Ozeanblaue Zug

DIE IDEE

Am historischen Bahnhof von Geestenseth sind die zehn Eisenbahnwagen des Theaters Das Letzte Kleinod stationiert. Mit dem Ozeanblauen Zug führt die Künstlergruppe Theaterprojekte auf dem Schienenweg durch. Der 130 Meter lange Zug wurde kürzlich aufwändig saniert und hat die Zulassung, um auf dem öffentlichen Schienennetz bewegt zu werden. In vier Schlafwagen können derzeit insgesamt bis zu 17 Mitwirkende in Einzelkabinen wohnen, in jedem Waggon gibt es Duschen und Toiletten. Ein Speisewagen hat bis zu 32 Sitzplätze, in einer modernen Großküche können 120 Personen am Tag versorgt werden. Im Zug gibt es außerdem ein Theaterstudio, ein Büro, Werkstätten und einen Güterwaggon für Theatertechnik.

Die Sanierung wurde durch die Unterstützung der N-Bank und der Metropolregion Hamburg ermöglicht. Der Bahnhof Geestenseth liegt an der Bahnlinie von Bremerhaven nach Buxtehude. In der denkmalgeschützen Bahnhofsanlage von 1899 ist die Produktionsstätte des Theaters Das Letzte Kleinod untergebracht. Im Stellwerk, in den Warteräumen, im Güterschuppen und in den eigenen Waggons werden die Inszenierungen konzipiert und vorbereitet, bevor sie im In- und Ausland aufgeführt werden.

Impressionen des Zuges

Die Entstehung des Zuges

10 STUDENTINNEN, 7 ENTWÜRFE

Im März 2012 lebten 10 Architekturstudentinnen für drei Tage im Ozeanblauen Zug und erfuhren dabei, welche Bedürfnisse die mobile WG-auf-Zeit mit sich bringt. Sie lernten viel über den Zug und seine Technik – und halfen bei der Entkernung eines Waggons mit. Sie sammelten Ideen, diskutierten und verwarfen sie wieder – und nach zwölf Wochen harter Arbeit konnten am 19. Juni 2012 sieben völlig verschiedene Entwürfe für die Neugestaltung des ganzen Zugs präsentiert werden. Natürlich im Zug!

Zu Beginn ihrer Arbeit verpackten die Studentinnen ihre ersten Assoziation in Skizzen und Stimmungsfotos, um die Richtung festzulegen, in die die Gestaltung gehen soll. „Moodboards“ heißt dies im Architektenjargon.

Mit einem genauen Aufmaß und dem Blick von oben fing die konkrete Gestaltung an. Trotz der relativ kleinen Fläche sind verschiedene Aufteilungen möglich.

Lange schmale Räume, unterschiedliche Bedürfnisse, wechselnde Bewohner mit wenig Zeit – und doch ein Gefühl von zu hause? Dies unter einen Hut zu bringen war das Ziel der jungen Innenarchitektinnen.

Lange schmale Räume, unterschiedliche Bedürfnisse, wechselnde Bewohner mit wenig Zeit – und doch ein Gefühl von zu hause? Dies unter einen Hut zu bringen war das Ziel der jungen Innenarchitektinnen.

Was die Studentinnen am eigenen Leib erfahren durften: Die Küche und der Speisewagen haben einen ganz besonderen Platz im Zugleben.

Plus: Im neuen Zug kann auch geduscht werden! Gemütliche Sitzecken und Räume um sich auch einmal zurückzuziehen bieten fast alle Entwürfe.

Wichtige Vorgabe  für alle Entwürfe war es, einen Wagen so zu gestalten, dass er flexibel als Theaterbühne und Mehzweckraum genutzt werden kann.

Damit im Zug nicht nur Theater gespielt sondern auch geschrieben werden kann wird ein kompletter Waggon als Autorenatelier gestaltet. Dieser Wagen ist grundsätzlich autark und kann als eigene kleine Wohnung genutzt werden.

Auch an den Außenbereich wird in vielen Entwürfen gedacht. Ein Projekt schlägt sogar Balkone und einen eigenen Gartenwagen vor.