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Stürmische Premiere in Uummannaq

von JES

 

Am frühen Abend briste es mächtig auf, die Fischer begannen hektisch, ihre Schiffe zu vertäuen. Die Schindeln auf dem Dach des alten Transchuppens klapperten bei Windstärke 8. Hier, im historischen Waltranschuppen von Uummannaq, sollten die letzten Vorstellungen der verlorenen Söhne stattfinden. Das Innere dieses historischen Lagerhauses wurde in den vergangenen Tagen zu einem Theater umgebaut. Alte Netze, Hummerkörbe und kaputte Motorschlitten wurden zur Seite geräumt. Für die Zuschauer wurde eine Tribüne aus Paletten gebaut. Das Kinderheim lieh Eisbären- und Moschusochsenfelle aus, auf denen die Zuschauer vor der Kälte geschützt werden sollten. Aber würden wirklich Zuschauer kommen, bei diesem Wetter?

 

Ja, die Zuschauer kamen. Zuerst die Kinder, mit denen wir in schon in der Schule gearbeitet haben. Und dann strömte das Publikum. Selbst die Fischer hatten inzwischen ihre Boote gesichert und stapften in Gummistiefeln zur Vorstellung. Dicht an dicht saßen die Zuschauer auf der Tribüne und hinten reckten viele Leute die Hälse. Für die Vorstellung in Uummannaq wurden die meisten plattdeutschen Texte ins Englische und sogar ins Grönländische übersetzt, eine echte Herausforderung für unsere deutsche Schauspielerin. Aber die Zuschauer konnten der Vorstellung folgen, auch ohne alle Texte zu verstehen. Besonders die Kinder kicherten über den Maskentanz und den Hundeschlitten. Am Ende gabs kräftigen Beifall für die Akteure.

 

So schnell der Sturm kam, flaute er auch wieder ab. Als die Zuschauer den Transchuppen verließen, hatte sich der Wind gelegt. Die mitternachtliche Sonne schien und nebenan fiel krachend ein Eisberg auseinander.

 

 

 
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