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Eine lange Reise mit Hindernissen

Von Niko

 

Guten Tag, mein Name ist Jager. Ich bin ein Segel, und ich möchte Ihnen von meiner beschwerlichen Reise nach Nuuk in Grönland berichten.
Aber bevor ich anfange, meine Geschichte zu erzählen, muss ich Ihnen mitteilen, dass ich kein gewöhnliches Segel bin. Anfangs bin ich wohl auch, wie es jedes Segel zu tun pflegt, zur See gefahren. Mittlerweile aber habe ich das Theaterspielen für mich entdeckt, und ich bin Requisit der Theatergruppe Das Letzte Kleinod geworden. In diesem Jahr habe ich mich besonders gefreut Bestandteil einer Kleinod-Produktion zu sein, da eine Gastspielreise nach Grönland geplant war. Nachdem wir mit unserem Theaterstück "Die verlorenen Söhne" auf Spiekeroog, in Bremerhaven und Cuxhaven schon große Erfolge gefeiert hatten, sollte es am Dienstag, den 8. Juni Richtung Grönland losgehen. Voller Vorfreude streifte ich mir meinen Reise-Jutesack über und ließ mich von meinen Kollegen in den Kofferraum des Kleinod-Buses bringen, welcher uns zum Flughafen Hamburg bringen sollte. Dort angekommen wollte ich gerade mit meinen Kollegen einchecken, als es auf einmal hieß, ich sei zu schwer und dürfte nicht mitfliegen. Verzweiflung machte sich in meinem Inneren breit, und als meine Kollegen auch noch anfingen darüber zu debattieren, ob sie mich auseinanderschneiden und als zwei getrennte Gepäckstücke aufgeben sollten, standen mir die Tränen in den Ösen. Das Resultat wilder Diskussionen mit auf "Lächeln" programmierten Flughafen-Mitarbeiterinnen war, dass ich mit einem meiner Kollegen über München nach Kopenhagen fliegen sollte. "Klingt komisch, ist aber so", würde Peter Lustig sagen. Und so saßen mein Begleiter und ich zwei Stunden später in einer Maschine Richtung Süden. Kaum gelandet, da wurde ich auch schon in den nächsten dunklen Frachtraum einer Lufthansa-Maschine geschmissen, und wenig später befanden wir uns schon auf dem Flug nach Kopenhagen. Dort angekommen wurde ich von meinem Begleiter am Übergepäckschalter in Empfang genommen, geschultert, aus dem Flughafen herausgeschleppt und auf die Rückbank des nächstbesten Taxis geworfen. Nach zehn Minuten fuhren wir auf einen dunklen Hinterhof. Hier wurde ich abermals geschultert und wenig später unsanft vor ein Rolltor geschmissen. So langsam ahnte ich, dass mein Begleiter mich loswerden wollte. So war es dann auch... Nachdem mein Begleiter mindestens ein dutzend Telefonate in schlechter englischer Sprache geführt und bestimmt ebenso viele Sachen an schlimmen Flüchen auf deutsch vor sich hin gegrummelt hatte, wurde ich in eine dreckige Lagerhalle geschleppt und im Stich gelassen. Ich war verunsichert und eingeschüchtert. Was sollte nun aus mir werden? Würde man mich hier vergessen? Sollte ich Grönland wohl gar nicht zu sehen bekommen? Womöglich nie mehr Theaterspielen dürfen? Zwei lange Nächte stellte ich mir immer wieder diese Fragen und es kullerten viele Tränen aus meinen Ösen. Dann aber, am Morgen des 10. Juni - dieses Datum werde ich wohl meinen Lebtag nicht vergessen - wurde ich in einen großen roten Flieger gepackt und wenige Stunden später von wohlbekannten Gesichtern auf dem Flughafen in Nuuk in Empfang genommen. Ich hatte es geschafft. Ich war bis nach Grönland auf die Bühne des Katuaq gekommen und habe dort zwei hervorragende Vorstellungen gespielt. Nun soll die Reise bald weitergehen, zu einem Ort mit dem geheimnisvollen Namen Uummannaq. Was ich auf der Reise dorthin wohl alles erleben werden?

Bis bald, Euer Jager

 
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