Hoch dotierter Theaterpreis für Gruppe „Das Letzte Kleinod“
22. Oktober 2003
Mit der Produktion 'Morriña' überzeugten Jens-Erwin Siemssen und sein Ensemble Fachjury in Hannover
Hoch dotierte Theaterpreise haben in der Region Seltenheitswert. Da ist es besonders erfreulich, dass die Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“ für ihre in Cuxhaven erarbeitete und uraufgeführte Produktion „Morriña“ jetzt mit dem Preis Freier Theater der Niedersächsischen Lottostiftung in Hannover ausgezeichnet wurde, der mit 20.000 Euro dotiert ist.Am zurückliegenden Wochenende tummelte sich die niedersächsische Theaterszene in der Landeshauptstadt, wo erstmals das Theaterfestival der Niedersächsischen Lottostiftung gefeiert wurde. Gewonnen hat die Gruppe „Das Letzte Kleinod“ aus dem Dorf Geestenseth für ihre halb dokumentarische, deutsch-spanische Produktion „Morriña“, die seinerzeit unter großem Interesse im heimischen Fischversandbahnhof erarbeitet und aufgeführt wurde (die CN berichtete mehrfach ausführlich).
Leben galizischer Gastarbeiter
Das Leben galizischer Gastarbeiterinnen an der Cux- Küste steht im Mittelpunkt der Produktion, die Regisseur Jens-Erwin Siemssen mit seinem international besetzten Ensemble inszeniert hat. Auch in Galicien wurde das Stück aufgeführt und von der Bevölkerung mit großem Interesse aufgenommen, wie Siemssen im Gespräch mit unserer Zeitung erklärte. Dem kleinen Ensemble gelang es vortrefflich , wie die fünfköpfige Fachjury aus Fachjournalisten, Theaterwissenschaftlern und Dramaturgen am Wochenende befand, die intelligente Montage aus dem Fischversandbahnhof auf eine herkömmliche Theaterbühne zu übertragen und dies ohne nennenswerte Reibungsverlust. In der Begründung heißt es weiter: „Die Jury hat besonders die Arbeitsweise der Gruppe im Zusammenhang von dokumentarischer Recherche überzeugt. Das Theater „Das Letzte Kleinod“ geht stets Themen (nicht nur) deutscher Geschichte nach, in diesem Fall der Arbeitsmigration, einem nach wie vor wichtigen Thema. Dem Ensemble und dem Regisseur ist es auf eine eindrückliche und phantasievolle Weise gelungen, theatralische Formen zu finden, die über die Erfindungen der Stadt- oder Staatstheater hinausführen. Obwohl der Dokumentation verpflichtet, wird eine 1:1 – Umsetzung vermieden. Stattdessen wird poetische, auch choreografische Bildersprache entworfen, die Arrangements von der Arbeit auf der Bühne darstellt.“
24 Gruppen hatten Interesse
Um den hoch dotierten Preis hatten sich übrigens 24 Gruppen beworben. Dass trotz Vorauswahl eine erstaunliche Bandbreite auf den hannoverschen Bühnen zu erleben war, lag wohl daran, dass bei der Ausschreibung auf eine thematische Vorgabe bewusst verzichtet worden war.
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