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Liebes Tagebuch,

wir schreiben den 24. August 2011, am späten Abend.

Nach guter alter Breddorf’scher Tradition begann der Tag mit sanften Tröpfchen prasselnden Regens, der mich aus dem Schlaf hagelte. Zum Frühstück dann unterließ er sein Tun und sparte es sich für den Nachmittag auf.

Nach reichlichem Frühstück gingen das Technik-Team, mich inbegriffen, mindestens ebenso reichlich spülen und begannen dann mit unserer eigentlichen Tätigkeit: Kisten auspacken. Das klingt wesentlich harmloser als es ist, denn so ein mobiles Theater schleift doch allerhand Gepäck, von Tribünenstützpfeilern verschiedener Größen über ein großzügiges Schraubensortiment in ozeanblau lackierten Munitionskisten über Büroallerlei und und und... mit sich herum. Der wackere Insulaner Bernd war uns da mit seinem heldenhaft geführten Radlader doch eine sehr große Hilfe. Ganz zu schweigen von den solide belegten Brötchen, deren Fleischgehalt kein McDonald’s Menü auch nur im Ansatz die Stirn hätte bieten können. Die waren in der Tat sehr lecker… und stärkten Geist, Körper und Arbeitsmoral, zumindest die Meine. Nach dem Auspacken ging’s zum „Middach“, ebenfalls sehr reichlich und fein abgeschmeckt. Köstlich.

Nach mehreren Tellern meinerseits bereitete die Technik dann die Rathausbeleuchtung vor, die die abendliche Gratis-Kostprobe unseres Stückes angemessen in Szene setzen sollte. Die Fahrradanhänger erleichterten die Arbeit enorm, so dass man doch recht zügig das besagte Licht installieren konnte. Nach einem schönen Eis in Butter-Zimt Waffel ging’s dann endlich zum Zeltplatz zurück, aber erst nach einem weiteren saftigen Regenguss.

Dort überwand ich mich zum ersten Mal in meinem Leben in der Nordsee schwimmen zu gehen. Nicht wider Erwarten war sie mir zu genüge nass und salzig doch wunderherrlich erfrischend. Nach einer schönen warmen Dusche war ich sodann bereit für das nächste Essen. Die Schauspieler waren wohl den ganzen Tag über proben. Was ich mitbekam war nur, wie der Anton Biehl Darsteller erst vom kräftigen Regenguss überrascht wurde und dann von seinem eigenen Knüppel. Allerdings steckte er, wie ein echter Anton Biehl es können muss, die Schramme in Augennähe locker weg. Nicht so wie der Fahrradreifen der Commandante Le Grand Darstellerin, der sich von einer Dorne sieben klaffende Löcher stechen ließ, die dann aber von Technikguru Frank mit links geflickt wurden. „Alles halb so wild“. Tut mir leid, Tagebuch. Ich muss abkürzen. Die Schnaken plagen mich zu Bette. Fast genauso sehr wie die Müdigkeit… Also: Die Abend-Kostprobe verlief gut. Die Leute hätten gerne mehr gesehen, waren stellenweise jedoch etwas verwirrt. Ist aber nicht so wichtig, die allermeisten Urlauber reisen sowieso vor der Premiere ab. Spaß hatte es trotzdem allen gemacht, schätze ich zumindest.

Danach baute das Technik-Team das ganze Licht, welches das Rathaus so schön beleuchtet hatte, als dass man glatt eine Festinstallation in Betracht hätte ziehen können, wieder ab und schleppte es zum eigentlichen Spielort zurück. Dort freut sich nun die Tribüne darauf morgen endlich aufgebaut zu werden, und ich mich mit ihr. Schließlich müssen die 5 kg Nahrung von heute in irgendeiner Form umgesetzt werden. Sonst kann ich morgen nicht so viel essen… und DAS wäre eine Verschwendung von potentiellem Genuss.

In diesem Sinne:
      Gute Nacht

              Technikbambini,
                   Malte Möbius

 
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