Deutsch  |  English  

Tonnenweise schöne Momente

Bremerhavener Sonntagsjournal

 

Sonntag, 8. Juli 2007

 

Ein magischer Theaterabend: 'King of Tonga' begeisterte am Cuxhavener Bauhafen

 

Cuxhaven (ler). Was für ein Himmel, der sich rund um die Grimmershorner Bucht auftürmt. Links brechen die letzten Sonnenstrahlen durch dunkle Wolken, rechts ballt es sich wieder in bedrohlichem Grau zusammen. Aber die Zuschauer der Theatergruppe „Das Letzte Kleinod“ sind hart im Nehmen, haben der Kunst wegen schon auf der Marinefestung Langlütjen II und in kalten Fischhallen ausgeharrt. Jetzt also der „King of Tonga“ am Cuxhavener Bauhafen, und natürlich einmal mehr auf eigene Gefahr.

 

Dass Regisseur Jens-Erwin Siemssen grandios Orte in Szene setzten kann, wird vom ersten Bild an klar. Vom Ende der Mole kommt ein Seemann mit einer blauen Tonne heran, rollt sie langsam an der Kugelbake vorbei. Leise singend nähert er sich der Tribüne und stellt die Grundstimmung für einen magischen Theaterabend her, der auf der einen Ebene die Legende von Hinrich Meyer aus Neuenschleuse im Alten Land erzählt. Der soll 1845 als Schiffbrüchiger auf der Südseeinsel Tonga gelandet sein, dort die Häuptlingstochter geheiratet und es bis zum König gebracht haben.

 

Auf einer zweiten Ebene lässt Siemssen heutige Zeitzeugen zu Wort kommen, etwa einen Geschichtenerzähler aus Tongas Hauptstadt Nuku’alofa, einen dort lebenden Deutschen, einen Gastwirtsohn aus Neuenschleuse oder eine mit einem Palangi (weißen Mann) verheiratete Frau aus der Südsee. Vergangenheit und Gegenwart verschmelzen so mühelos zu einem oft poetischen und nicht immer widerspruchslosen Bild. Und ja, der Regisseur kann sich darauf verlassen, dass die Schauspieler – Jochen Stechmann, Anna-Katharina Andrees, Birgit Wieger und Mensualina Kaitapu – den Zauber seiner Inszenierung weiter tragen.

 

Das sanft fließende, mit Original-Gesängen untermalte Stück ist seemeilenweit entfernt vom heute so angesagten Spektakel und räumt stattdessen der Fantasie der Zuschauer eine große Rolle ein. Hier geht die Sängerin gemächlich aus dem Licht der Scheinwerfer, dort taucht der Seemann in weißer Uniform zwischen den Kieseln auf – der geniale Umgang mit den blauen Tonnen, die als einzige Requisite absolut jede Situation unterstützen, ist bis zum Ende schlicht verblüffend.            

(zurück)

 
  Impressum